Medienpolitik
Das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) ist dabei, eine Datenbank derjenigen Konzerne zusammenzutragen, die heute unsere Medien beherrschen. Grossartige Artikel! Alle Achtung, so eine übersichtliche Darstellung habe ich im deutschsprachigen Internet bisher noch nicht gefunden.
Wenn ich mir anschaue, wer das Institut fördert, frage ich mich allerdings, wie es mit der “akademischen Freiheit” steht. Können Forscher dort wirklich frei arbeiten? Wird der kritische Diskurs gefordert oder ist das Institut bloß ein “Think-Tank” der Medienindustrie?
Ein Satz wie
“John Malone hatte schnell verstanden, dass Infrastrukturen immer nur so gut sein können wie die Inhalte, die sie transportieren”.
könnte durchaus so verstanden werden, dass die Geldgeber des IfM glauben, dass es das Internet ohne ihre Geschäftsmodelle (z.B. Free-TV, Pay-TV, öffentlich-rechtliches Fernsehen,…) nicht gäbe. Gegen diese Meinung hätte ich allerdings das eine oder andere Argument vorzubringen.
Es ist zwar richtig, dass die Infrastruktur zum Transport von Daten (z.B. Breitbandkabel, Telefonnetz,…) vom Konsumenten dadurch mitfinanziert wird, dass Medienkonzerne einen Teil ihrer Einnahmen (z.B. durch Aufmerksamkeit für Werbespots, Pay-TV Abonnements, Rundfunkgebühren,…) an die Betreiber der Breitbandnetze weitergeben.
Es wäre aber irreführend zu behaupten, dass diese Infrastruktur direkt von der Qualität der transportierten Inhalte abhinge. Meine Auffassung von der Konvergenz der Medien ist, dass Inhalte, Dienste, Netze und Endgeräte unabhaengig sind. Der Internetnutzer bezahlt den Netzbetreiber direkt, und zwar dafür, dass er auf entfernte Daten schnell und zuverlässig zugreifen kann. Woher diese Daten kommen und welche Inhalte durch die Datenpakete beschrieben werden, geht den Betreiber der Infrastruktur aus Sicht des Internetnutzers nichts an.
Ein weiteres Argument ist aus gewissen Kreisen der Medienindustrie häufig zu hören, wenn diskutiert wird, wer die Infrastruktur zur Verteilung von Inhalten kontrollieren sollte. Die Qualität der transportierten Inhalte könne nur dann gewährleist werden, wenn die Medienindustrie Vorrichtungen zum Schutz vor Urheberrechtsverletzungen (z.B. eine DRM Infrastruktur) einführt. Der ungehinderte Zugang zu digitalen Daten fördere Urheberrechtsverletzungen. Wenn urheberrechtlich geschützte Werke im Internet frei gehandelt werden, würden die Existenzen ihrer Schöpfer zerstört, was schliesslich zu einem kulturellen Verfall führt.
Zwar haben Urheberrechtsverletzungen im Internet der bestehenden Medienindustrie erheblichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Aber anstatt zu versuchen, das Internet durch “walled garden” Netze zu ersetzen, in dem vorrangig nur noch diejenigen Daten transportiert werden, deren Verwertungsrechte von den “Verwaltern der Inhalte” lizensiert wurden, sollte die Medienindustrie endlich verstehen, dass Internetnutzer selbst entscheiden, mit wem sie kommunizieren.
In seinem brillianten Artikel “Internet: Ende der Kultur?” schreibt Heribert Prantl:
Für die Internet-Kommunisten ist das Web die Allmende der Moderne [...] Ein dergestalt freies Internet ist deswegen eine verführerische Idee, weil grosse Konzerne die Kultur und das, was sie dafür halten, immer stärker feudalisieren und monopolisieren. Aber das ist nicht die Schuld des Urheberrechts.
Richtig! Nicht das Urheberrecht ist der Grund, warum Medienkonzerne (z.B. Filmstudios, Major Labels, Verleger,…) Meinungsmonopole aufbauen konnten, sondern die Kontrolle der Infrastruktur zu Verbreitung der Inhalte. Offene Standards und Open Source Software haben dazu geführt, dass die Medienkonzerne die Kontrolle über ihre Distributionsketten verloren haben. Sollten sie trotzdem versuchen, bestimmte Inhalte und Dienste (z.B. File Sharing über P2P Netze) technisch zu unterbinden, werden Internetnutzer und unabhängige Anbieter von Inhalten (z.B. nichtkommerzielle Inhalte wie Blogs) alternative Wege finden, Daten auszutauschen und gegebenenfalls ein freies Netz aufspannen.


